MEINE STORIES

In STORYDYNAMICS FÜR PRÄSENTATION, RHETORIK UND KOMMUNIKATION empfehle ich, Geschichten aus dem eigenen Leben zu sammeln und zu erzählen. Einige Teilnehmer haben damit zunächst Schwierigkeiten. Verständlich: Viele wahre Geschichten sind sicher lediglich dem engsten Freundeskreis anzuvertrauen. Doch unter all den Stories finden sich auch einige, die unbedenklich öffentlich werden können. Ich stelle hier meine vor. Es sind kleine Episoden. Ich berichte nur in einer davon überhaupt von Schwierigkeiten, die ich - heldenhaft oder nicht - überwand. Vergleichen Sie selbst: Bekommen Sie auf den Seiten Profil und Referenzen ein klareres Bild ? ein besseres Gefühl ? über mich und was mir wichtig ist? Oder über diese Geschichten:

FREUNDE

Ende der 60-er Jahre in Wiesbaden. Meine Freundin Corinna und ich gingen zusammen in die erste Klasse. Auf dem Schulweg redeten wir darüber, „dass die anderen Kinder zuhause alle Wörter sagen dürfen und wir nicht.“ Wir fanden das ungerecht und hatten eine Idee: „Wozu lernen wir schreiben?“ Wir setzten uns auf das Mäuerchen an der Shell-Tankstelle und schrieben beide all die Wörter auf einen Zettel, die wir nicht sagen durften. Dann tauschten wir die Zettel aus und gingen nach Hause. Ich versteckte meinen Zettel wohl gut. Corinna’s Zettel aber wurde von ihrem Kindermädchen gefunden. Die stellte sie zur Rede. Corinna sagte wahrheitsgemäß, dass sie das nicht geschrieben hatte. „Wer denn?“ Corinna sagte nichts. Das Kindermädchen prügelte sie. Corinna sagte erst recht nichts. Wir spielen noch heute zusammen. In Berlin. Improvisationstheater.

DAS ZAUBERWORT

Letzten Sommer war ich im Kronberger Zoo. Vor dem Elefanten-Gehege stand eine etwas angespannt wirkende, elegant gekleidete Asiatin, vermutlich Chinesin. Sie hatte einen ‚Buggy’ vor sich, in dem ihre etwa zweijährige Tochter saß. Die Frau schaute zu den Elefanten. Das Kind hatte genug gesehen und sagte: „Weiter fahren.“ Die Mutter sah zu ihr. Das Mädchen drehte sich um: „Weiter fahren!“ Die Mutter schüttelte den Kopf. „Wie heißt das Zauberwort?“, fragte sie bevor sie den Wagen anschob. Das Kind antwortete: „Spaß!“

DIE SZENE

Dreharbeiten unter Zeitdruck. Ich hatte eine Auftrags-Regie übernommen und einen Drehtag mit einem besonders großen Pensum vor mir. Die Beleuchter hatten schon aufgebaut. Jetzt konnte die Probe mit den Schauspielern stattfinden. Doch der Hauptdarsteller befand die Szene als unspielbar. Inzwischen waren auch Produzent und Redakteur vor Ort, um den Fortschritt der Dreharbeiten zu prüfen. Und wir probten nicht mal, wir diskutierten. Ich setze mich zu dem Hauptdarsteller und fragte ihn nach seinen Bedenken. Er schilderte sie mir. Ich konnte sie nachvollziehen und entdeckte, von seiner Logik ausgehend, Schnitzer im Buch, die über diese eine – heute mit fünf weiteren Szenen zu drehende – Szene weit hinaus gingen. „Gut, dass dir das noch aufgefallen ist. Wir werden jetzt nicht nur diese Szene völlig ändern, das ganze Buch beruht ja auf einem Irrtum. Wir müssen komplett umschreiben.“, sagte ich, die vermutlich betroffenen Zuschauer ignorierend. Ich zählte über seine Gründe hinaus viele weitere auf. Und ich meinte es so, bereit dafür die Konsequenzen zu tragen. Er schaute mich irritiert an: „Was redest du da? Komm wir drehen.“

DER FALLSCHIRM

Als ich vor Jahren in München lebte, meinte ich etwas gegen eine gewisse Ängstlichkeit unternehmen zu müssen. Ein Freund empfahl Fallschirmsprung.
Ich meldete mich also für einen Tandem-Sprung in der Nähe von München an. Es war Sommer. Mein Tandem-Partner erklärte mir, wie der Sprung verlaufen würde. Ich war vor ihm angeschnallt und müsse nichts weiter tun, als vom Rande der offenen Cessna nach unten zu springen. Das klapprige Flugzeug stieg hoch auf etwa 2000 Meter. Außer uns waren nur Solo-Springerinnen und Springer an Bord. Jede hatte einen anderen Sprung-Stil. Wir waren die letzten. Meine linke Hand fasste das kalte Metall der Luke, ich kroch gen Ausgang, setzte mich, die Beine baumelten schon nach unten. Ich trug außer Gurten nur Jeans und T-Shirt. Hinter mir der Tandem-Partner. 'Los!' Ich schob mich auf der Kante nach vorne, sprang, warf Arme und Beine hinter mich. Der freie Fall: Ich flog bäuchlings und spürte, dass Luft nicht nichts ist, sondern sogar Widerstand sein kann. Der Ausblick auf die bayerische Landschaft, der ich entgegenflog, wurde detaillierter. Dann ein Geräusch und ein Ruck: Ich stand plötzlich senkrecht, der Fallschirm war aufgegangen. Sekunden flogen wir etwas langsamer, dann hinter mir ein: 'Scheiße!' und noch ein lautes Geräusch. Der Fallschirm hatte sich in sich verheddert. Der Tandem-Partner musste ihn kappen. Weiter gings bäuchlings im freien Fall. Knapp über der Erde, mir schien es nicht mehr als 300 Meter, öffnete sich dann der Ersatz-Fallschirm. Als wir stolpernd auf der Erde ankamen, legte ich mich erstmal ins Gras. Der Adrenalin-Schub hielt noch über Stunden an. Seitdem bin ich nie wieder Fallschirm gesprungen. Und ich wüsste auch nicht, warum ich das tun sollte.

Beim Mann aus Mettmann (PDF):